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Morbach-Weiperath. Unermüdliche
Waschweiber, in blau-weiß- gestreifte Arbeitskleider
und Kopftücher gehüllt, schrubbten und klopften in den
großen Steintrögen am Weiperather Brunnen eifrig das
weiße Leinen. Fleißige Wollspinnerinnen mit Häubchen
drehten am Spinnrad Berge an Schafswolle zu Garn. Eine
Flachsspinner-Gruppe hechelte emsig die gelben Flachsbündel.
Schinderhannes und seine Räuberbande aus Morbach trieben
in den Weiperather Straßen ihr Unwesen. Zwei hellbraune
Haflinger kutschierten ein lustiges Völkchen im Planwagen
durch den Ort. Fast schien es, als sei in dem kleinen
Hunsrückort die Zeit vor 100 oder 200 Jahren stehengeblieben.
Doch der Schein trog. Denn die 320-Seelen-Gemeinde hatte
sich aus Anlass ihrer 900-Jahr-Feier auf eine Reise
in die Vergangenheit begeben.
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In das verträumte Tal der Dhron, etwa zwei Kilometer
unterhalb Rapperaths, brachten vor etwa 200 Jahren das
Klappern einer Malmühle und das Klopfen eines Eisenhammerwerkes
Leben. Um 1850 wurde das Werk stillgelegt. Als die "Weiperter"
Anfang 1997 mit den Vorbereitungen für die Feier des
runden Geburtstages ihrer Gemeinde begannen, entschloss
sich der Ortsbeirat, auf dem Brunnenplatz ein traditionelles
Hammerwerk nachzubauen.
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Am Samstagmittag endlich erschallte wieder ein Eisenhammer
über das ganze Dorf. Albert Gauer, pensionierter Schmiedemeister
aus Haag, mühte sich bei der Einweihung des Eisenhammers
unter den Augen von Ortsvorsteher Herbert Schuh und
der etwa 150 Besucher auf dem Dorfplatz redlich, die
Funktionstüchtigkeit der neuen Gerätschaft zu beweisen.
Nach einer halben Stunde, mehrmaligem Erhitzen des Eisenstabes
und unzähligen Hammerschlägen, war es dem Handwerker
schließlich gelungen, ein Spitzeisen zu fertigen. Angesichts
dieser Geduldsprobe kommentierte der Schmied lapidar:
"Das ist eben ein Rentnerhammer."
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Erich Petry,
Mitglied des Festausschusses, hatte gar ausgerechnet,
dass dei etwa 50 Freiwilligen rund 8 000 Stunden für
die Neugestaltung des Brunnenplatzes geackert hatten.
Aber nicht nur die Verlegung des alten Dorfbrunnens
und der Bau des Hammerwerkes mit Sandsteinmauern, einem
hölzernen Wasserrad und einer Umlaufpumpe hatte der
Dorfbevölkerung einiges abverlangt. Denn die
Hammerschmiede war nur ein Steinchen im Mosaik der Jubiläumsvorbereitungen.
18 Monate lang hatten sich die Bewohner und die Nachbargemeinden
ins Zeug gelegt, um Weiperath auf den Vordermann zu
bringen.
Die
Schufterei hat sich letztendlich gelohnt
Sie trieben
die 1990 begonnene Renovierung der Walholzkirche voran,
bauten Brunnen, errichteten Gedenksteine, wienerten,
schrubbten und pflegten ihren Ort. Die Schufterei hatte
sich gelohnt: Pünktlich zu Beginn der Feierlichkeiten
hatten sie den Ort auf Hochglanz poliert. Allein die
Eröffnung des Hunsrücker Holzmuseums musste auf 1999
verschoben werden. "Schade", meinte Schuh,
"aber das hätten wir nicht mehr geschafft. Alle
Beteiligten haben tolles geleistet. Ohne die Mithilfe
der Bürger wäre eine solche Feier gar nicht möglich
gewesen." Dies war keine leere Floskel des Ortsvorstehers,
denn angesichts der leeren Gemeindesäckel hatte der
Ort mit etwa 40 000 Mark für die Feier auskommen müssen.
Trotzdem war es der Wunsch der Weiperather, sich während
der vier Festtage den etwa 8000 erwarteten Gästen von
der besten Seite zu zeigen. Un das schien bereits während
der ersten drei Tage des Festes gelungen. Die historische
Straße mit 69 Ständen, vier historische Ausstellungen,
Wanderungen und Planwagenfahrten, deftige Hunsrücker
Gaumenfreuden, ein umfangreiches Musik- und Unterhaltungsprogramm
auf einer Bühne und im Festzelt lockten Tausende von
Besuchern an. Manfred Kirst, der auf der historischen
Straße die historische Kartoffeldampfmaschine des Heimatvereins
Kleinich vorführte, war begeistert: "Das ist schon
allerhand, was ein solch kleiner Ort auf die Beine gestellt
hat." Georg Steffen hatte zur Feier den Gemischtwarenladen
seiner Eltern mit altem Apothekerschränkchen, Holzregalen
und alter Kaufwaage wieder aufleben lassen. "Alle
Bürger waren von Anfang an überzeugt von der Feier.
Das ist eine mächtige Aufwertung für unser Dorf",
meinte er. Was ihm Weiperath wert ist, wusste sein Mitbürger
Alois Knoch allerdings schon vorher. Der Dachdecker
aus Westfalen wohnt seit 1981 in Weiperath. Aus seiner
neuen Heimat möchte er nicht mehr weg. "Ich bin
positiv aufgenommen worden und fühle mich inzwischen
als richtiger Weiperather." Früher wohnte Knoch
an der Autobahn, heute genießt er besonders die Ruhe
im Hunsrück. Damit kann er aber erst am Dienstag weitermachen,
wenn die Verträumtheit und Abgeschiedenheit wieder in
das kleine Dörflein einkehren werden.
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